Warum sollte das Handwerk gendern? 5 Vorteile für jeden Betrieb

Handwerk gendern

Sollte das Handwerk gendern?

Gendern ist in der deutschen Sprache und vielen Medien nicht mehr wegzudenken. Gendern wirkt modern, obwohl die Nennung beider Geschlechter eigentlich kein Trendthema mehr ist.

Wie sieht es denn im Handwerk aus? Wird im Handwerk gegendert? Oder reden die Handwerkenden eigentlich im noch nur von dem Handwerker, dem Gesellen oder dem Kunden?

Vermutlich ist das Gendern auch im Handwerk durchschnittlich verteilt. Einige Betriebsinhaber und -inhaberinnen legen Wert darauf, dass sie und ihr Team kein Geschlecht und Diversität sprachlich ausschließen, andere tun dies nicht. 

In diesem Artikel möchte ich dir 5 Gründe, nennen, wieso das Handwerk gendern sollte und welche Vorteile entstehen, wenn im digitalen und öffentlichen Auftritt niemand sprachlich ausgeschlossen wird.

 

#1 Modern wirken – mehr Bewerbungen erhalten

Sollte das Handwerk gendern? Ja! Denn es hat ein Imageproblem (mehr dazu kannst du hier lesen) und ein Nachwuchsproblem. Vor allem junge Menschen zwischen 14 und 35 haben kaum bis gar kein Interesse mehr an einer handwerklichen Karriere. 

Klischees wie: „Das Handwerk ist altbacken“, sind unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen keine Seltenheit. Problematisch ist, dass es genau diese jungen Menschen sind, die das Handwerk braucht. Der Fachkräftemangel im Handwerk ist in den meisten Betrieben mittlerweile deutlich zu spüren. Sich als Betrieb attraktiv für die unter 35-Jährigen zu präsentieren, ist demnach keine Option mehr, sondern ein absolutes Muss. 

Gendern wird laut Umfragen von den meisten Personen unter 35 als richtig empfunden. Dabei geht es weniger um das strickte Trennen der Geschlechter, als viel mehr um das Vermeiden von einer ausschließenden Sprache. Aus den Mitarbeitern wird dann ein Team, aus Handwerkern werden Handwerkende usw.*Quelle

Eine Sprache, die niemanden ausschließt, wirkt heutzutage zeitgemäß. Dies sind kleine Veränderungen, die jedoch auf einer Betriebshomepage oder Stellenanzeige für jungen Menschen den Unterschied darstellen, ob sie sich bewerben wollen oder eben nicht.  

#2 Keine potenzielle Arbeitskräfte mit Sprache ausschließen

Gendern bezieht sich nicht bloß auf eine geschlechtsneutrale Sprache, sondern impliziert auch Diversität. 

Laut einer Studie des Kölner Rheingold-Instituts konnten sich von 27 % der befragten jungen Menschen zwischen 16 und 35 nicht klar einem Geschlecht zuordnen.*Quelle

Ob das jetzt für den alten Handwerksmeister (an dieser Stelle ganze bewusst nicht gegendert) nachvollziehbar ist oder nicht.

Wegen des Fachkräfte- und Nachwuchsmangels kann das Handwerk sich nicht erlauben, durchschnittlich 27% der potenziellen Bewerbenden auf ihren Marketing-Kanälen nicht anzusprechen, bloß weil ein persönliches Unverständnis bezüglich der Geschlechterfrage im Raum steht.

Wie könnte das Handwerk gendern? 

Hier appelliere ich für eine klare Trennung zwischen der betrieblichen Kommunikation nach außen und einer privaten Sprache.

Das Gendern bildet für viele jungen Menschen einen Wunsch ab, nicht mehr in binären Strukturen zu denken, sondern als Person in der Tiefe wahrgenommen zu werden. Hier entsteht auch eine Verbindung zum Megatrend New Work, der sich in der Tiefe mit Methoden und Möglichkeiten individueller Arbeit befasst. 

#3 Das Handwerk braucht mehr Frauen

Es ist kein Geheimnis, in vielen Bereichen des Handwerks sind Frauen völlig unterrepräsentiert. Besonders in der Baubranche sind Gesellinnen und Meisterinnen selten anzutreffen. 

Hinzu kommt, dass Handwerkerinnen in der „Männerdomäne“ Bau immer noch mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben. Als Interviewpartnerin beschreibt Maren Kogge, Kirchenmalermeisterin aus dem Langkreis Rosenheim, im Podcast „Handwerk verstehen“, sehr anschaulich, mit welchen Sprüchen sich Handwerkerinnen bis heute herumplagen müssen. 

Frauen legen mehr Wert auf Gendern, als Männer und Gendern hilft Frauen in der deutschen Sprache sichtbarer zu machen.*Quelle

Wie kann das Handwerk gendern und mehr Frauen ansprechen?

Das Gendern auf betrieblichen Karriereseiten kann direkte Einladung für Frauen verstanden werden. Im Podcast „Abenteuer Metall“ spricht sich Betriebsinhaber Sascha Herzog Mewes, dafür aus, mehr Frauen ins Handwerk einzuladen. Er sieht großes Potenzial, in der weiblichen Ausführung vieler handwerklicher Berufe und wünscht sich deutlich für mehr Diversität im Handwerk. 

#4 Die Tendenz zum Gendern zeugt von Bildung

Gesellschaftlich liegt der Fokus zurzeit auf der schulischen und nicht der beruflichen Bildung. Eltern wünschen sich für ihre Kinder das Abitur sowie ein anschließendes Studium. Die berufliche Bildung, z. B. im Handwerk, wird als weniger wertig erachtet, als möglichst lange die Schulbank zu drücken. 

Ein gängiges Vorurteil, was sich leider bis heute gesellschaftlich hält, bezieht sich auf die geringere Bildung der Handwerkenden. Deutlich wird dies ebenfalls im oben genannten Podcast „Abenteuer Metall“, in dem Herzog Mewes über Diskussionen mit Kunden spricht, die in ihrer Argumentationskette einen langen Bildungsweg einbinden. 

Die Studie des Kölner Rheingold-Instituts besagt: „Je höher der Bildungsstand, desto besser kenne man sich mit dem Gendern aus.“*Quelle

Im Handwerk gendern – eine Lösung?

Gendern kann dem Handwerk also helfen, mit veralteten Vorurteilen aufzuräumen und mit einem kleinen Schritt auch die berufliche Bildung gesellschaftlich unterstützen. 

#5 Zeigen, dass dem Handwerk Werte der Generation Z wichtig sind

Viele jungen Menschen, die im Handwerk dringend als neue Auszubildende gebraucht werden, empfinden eine geschlechtsneutrale Sprache als wichtig. Es geht dabei nicht darum, „richtig“ zu gendern, sondern viel mehr um die Wertigkeit hinter der barrierefreien Sprache. 

Die Generation Z möchte einen Denkumbruch den Köpfen der Menschen erreichen, weg von binären Strukturen, wie männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, reich oder arm. Nicht in binären Strukturen zu denken und dementsprechend zu sprechen, bedeutet jeden Menschen als Ganzes wahrzunehmen. 

Es geht also nicht um Peter, männlich, 17 Jahre, heterosexuell, weiß, aus der 11ten Klasse. Sondern es geht um Peter, der empathisch sowie handwerklich geschickt ist, sich zu primär weiblichen gelesenen Personen hingezogen fühlt und sich wünscht in seiner Arbeit etwas Gutes für sich und den Planeten zu tun. 

Die Generation Z möchte mehr sein als nur schwarz oder weiß, sie möchten in der Tiefe verstanden und wahrgenommen werden. Für Handwerksbetriebe kann das Gendern eine Chance sein, der jungen Generation zu zeigen, dass man wirkliches Interesse an der Person hinter der Personalnummer hat.

Im Handwerk gendern bedeutet also eine Einladung auszusprechen, zwar alte Traditionen zu bewahren, aber auch dem Wandel der Zeit offen gegenüber zu treten. 

Es geht nicht darum, alles richtigzumachen

Sollte das Handwerk gendern, bedeutet das nicht gleich alles richtigzumachen. Es gibt viele Websites, die erklären, wie man grammatikalisch korrekt gendert. Doch meiner Erfahrung nach zählt der Versuch es richtigzumachen viel mehr als die Absolution.

Wenn dein Betrieb sich entscheidet in der öffentlichen Ansprache, zum Beispiel auf deiner Website eine geschlechtsneutrale Sprache zu verwendet, dann wirkt dies auf viele junge Lesende einladend. 

Zu Gendern zeigt deine Bereitschaft dich mit den Themen der Generation Z ernsthaft zu beschäftigen, anstatt sie bloß negativ zu bewerten. 

Für mich ist dadurch klar, dass das Gendern zur Attraktivität des Handwerks beiträgt. Das Klischee des veralteten Betriebs inklusive Ignoranz und überholten Denkmustern wird aufgebrochen. Damit öffnet sich eine Türe für mehr Toleranz, mehr Diversität und dementsprechend mehr Auszubildende, die gerne ins Handwerk gehen wollen, weil sie das Gefühl haben, wirklich als Individuum gesehen anstatt verhöhnt zu werden. 

Also sollte das Handwerk gendern?

Abschließend kann ich diese Frage nur mit „Ja!“ beantworten. Es liegen für das Handwerk viel mehr Möglichkeiten im Gendern, als sich dem vehement zu verweigern. Sprache verändert sich. Das ist normal. Das Handwerk darf gerne zeigen, dass es bereit ist Modernisierung in den Betrieben zu integrieren. Das Handwerk darf sich offen präsentieren und zeitgemäß anpassen. Also Ja, das Handwerk darf bitte mehr gendern. 

*Quellen: Berliner Morgenpost, Welt,   

Willst du auf deiner Website geschlechtsneutrale Sprache einbinden?

Als Copywriterin und Kommunikationstrainerin fürs Handwerk unterstütze ich dich gerne dabei, deine Homepage-Texte moderner zu gestalten. Eine geschlechtsneutrale Sprache  einzubinden und somit mehr junge Menschen von deinen Karriereoptionen zu überzeugen, darf dabei nicht fehlen. 

Mehr Informationen darüber, wie ich dir dabei helfen kann, mit deinen Worten mehr Bewerbungen zu bekommen, erfährst zu hier: 

Hi, ich bin Sarah

als Copywriterin, Podcasterin & kreative Content Strategin

unterstütze ich Handwerksbetriebe, mit starken Texten, Storytelling und einem eigenen Betriebspodcast online zu überzeugen und sich als attraktive Arbeitgeber:innen-Marke zu präsentieren, ganz ohne zeitaufwendiges Social Media. 

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